MAZ-Gespräch mit Klaus Ness
Mit
Königs Wusterhausens Landtagsabgeordneten Klaus Ness (SPD) sprach Frank
Pawlowski über den Streit um den Namen des Zeesener Gewerbeparks
„Schütte-Lanz“.
MAZ:
Weil Luftfahrt-Pionier Johann Schütte mit Hitlers Nazi-Regime
verstrickt war, soll er aus dem Gewerbepark-Namen gestrichen werden,
fordern Kritiker. Halten Sie das ebenfalls für richtig?
Klaus Ness:
Ich finde das Ansinnen richtig, eine Diskussion darüber zu führen. Aber
eine Umbenennung halte ich für falsch. Schüttes Zeesener
Luftschiffwerft gehört zur Geschichte von Königs Wusterhausen. Er war
ein herausragender Wissenschaftler und Ingenieur, zugleich aber jemand,
mit dessen Erfindungen der erste Luftkrieg geführt werden konnte. Und er
war jemand, der politisch irrte, als er sich mit den Nazis gemein
gemacht hat. Auf diese Ambivalenz muss man aufmerksam machen. Die Stadt
kann es aushalten, wenn der Gewerbepark so heißt – wenn sie es
historisch einordnet.
Wie soll das geschehen?
Ness:
Das könnte zum Beispiel in Form einer Gedenktafel geschehen, auf der
über Schüttes Leistungen und über seine Rolle im Hitler-Regime
informiert wird.
Das wäre überflüssig, wenn der Name verschwindet.
Ness:
Und dann? Einen Schlussstrich gibt es nicht. Geschichte ist komplex,
dem müssen wir uns in der Auseinandersetzung mit ihr stellen. Man kann
Geschichte nicht auf diese Weise tilgen.
Es gibt eine neue
Diskussion um Straßennamen aus der DDR-Zeit. Die CDU-Landtagsfraktion
will wissen, wie sehr Städte und Gemeinden heute noch von Namen wie
Johannes R. Becher geprägt sind. Bürgermeister wurden angeschrieben,
darunter der Königs-Wusterhausener. Was halten Sie davon?
Ness:
Das ist ein irrwitziger Vorstoß und Teil einer Kampagne gegen die
rot-rote Landesregierung. Es muss eine Diskussion über historische
Personen in ihrer Widersprüchlichkeit geben. Becher oder Thälmann kann
man als Opfer der Nazis und als Vorreiter des Stalinismus sehen. In der
früheren Bergbaustadt Senftenberg gibt es eine Adolf-Hennecke-Straße –
das gehört zur Geschichte dazu, man darf sich nur nicht unkritisch dazu
verhalten. Es ist richtig, dass nach der Wende Namen entfernt wurden,
wie „Straße der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“ und ähnliches. Das
war überzogen. Aber bei historischen Figuren sollte es das nicht geben.
Soll Königs Wusterhausen also seine Becher- und Weinert-Straße behalten?
Ness: Unbedingt.
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